Sonntag, 19. Februar 2012

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...

Am 20.12.11 hatte ich meiner Frau zu ihrem Geburtstag einen 30 Liter Nano-Cube geschenkt, ein kleines Aquarium mit Zubehör für Garnelen. Bis zu diesem Tag hatten wir von Aquarien und wirbellosen Süßwassertieren so viel Ahnung wie eine Kuh vom Sonntag. Seitdem sind 12 Monate vergangen. Heute haben mein Frau und ich ein interessantes kleines Unterwasser-Paradies mit Pflanzen- und Tierbesatz. Unser Nano-Aquarium macht uns viel Freude, erleuchtet selbst den trübsten Tag, strahlt wie ein Smaragd, illuminiert Wohnung und Gemüt, ist ein wichtiger Teil unseres Entspannungsprogramms geworden.
Wir bezeichnen uns als Tierliebhaber, Gestalter und Forscher, haben aber keine wissenschaftlichen oder künstlerischen Ansprüche, konkurrieren nicht mit anderen Aquarianern, möchten schlicht und einfach Wassertiere erleben, beobachten und pflegen, ihnen einen Lebensraum bieten in dem sie sich wohl und sicher fühlen können.
Früher hielt uns die Vorstellung, dass Aquaristik sehr zeitaufwändig und arbeitsintensiv ist davon ab, sonst hätten wir es vielleicht schon früher gewagt. „Nano“ war das Zauberwort. Nano klingt niedlich, klingt nach Spaß statt Arbeit. Zur erfolgreichen Pflege unserer Fauna und Flora investieren wir tatsächlich vor allem Tierliebe und Geduld.
Das war allerdings nicht von Anfang an so - ganz im Gegenteil -  doch nach einem Jahr haben wir es endlich geschafft! Die Wassertiere machen gesund und munter her, paaren sich und pflanzen sich sogar fort. Wir haben viel zum Staunen und Studieren! Das Leben ist faszinierend und die Natur wunderbar, auch in einem uns weniger vertrauten Element!
Auch Nano-Aquaristik ist und bleibt ein nie endender Prozess, das einzige was sicher ist, ist die Veränderung! Man wird sich den natürlichen Vorgängen im besten Fall annähern können, da möchte ich nichts schönreden, aber wenn man sich die Grundlagen einmal verinnerlicht hat und über zuverlässige Quellen verfügt die gegebenenfalls gut beraten, dann hat man eine gute Chance für Erfolg und Probleme bleiben überschaubar.
Das zu verstehen und lebendig in die Praxis umzusetzen war ein mühsamer, frustrierender Weg voller Niederlagen und hoher Kosten. Viele Tiere mussten ihr Leben lassen, viel Chemie ist in das Becken und in den Ausguss geflossen. Vieles mutet mir im Nachhinein an wie ein Chemielabor. Oder Tierquälerei. Das muss aber nicht sein!
Davon handelt diese feuchte Geschichte. 

Kerstin, eine liebe Bekannte von mir, zeigte mir letztes Jahr ihre Facebook-Seite „Nano Aquarium Online“. Ich bekam sogleich Appetit, denn Garnelen hatte ich „zum Fressen“ gern. Das konnte ich mir aber gleich wieder abschminken, denn sie wollte mich keineswegs zum Essen einladen, sondern als Fotograf gewinnen, um ihre Facebook-Seite ein wenig aufzuhübschen.
Wir kannten uns von „Siam Katze Online“, ihrer wunderbaren Facebook-Gruppe voller liebenswerter „Crazy Cat Ladies“ und ihren „Fellnasen“. Ich fühle mich mit Kerstin seelenverwandt und freundschaftlich verbunden, habe einen ordentlichen Fotoapparat und kann ihr nichts abschlagen, weil sie so ein liebenswerter und tierlieber Mensch ist. Also bin ich hochmotiviert am nächsten freien Wochenende in den Zoo gefahren und habe mir die kleinen Tierchen durch den Sucher angeschaut.
Wie ich so vor den großen Zoo-Aquarienfenstern stand und die Seesterne, Seeigel, Kraken und kleinen Haie betrachtete, wurden Erinnerungen wach an meine Kindheit in den 60er Jahren, als Otto Normalverbraucher noch einen „Käfer“ hatte. Die, die „was Besseres waren“ hatten einen Mercedes und weitere Statussymbole, wie ein Klavier oder ein Aquarium. So auch die Eltern von einem Kumpel, Sohn von unserem damaligen Hausarzt.
Mit offenem Mund stand ich bei denen im Wohnzimmer mit dem obligatorischen Klavier unter dem obligatorischen Familienportrait-Ölgemälde vor dem obligatorischen Aquarium mit echten lebenden Fischen. Das beruhigende Plätschern und Blubbern werde ich mein Leben lang nicht vergessen.
Fortan schaute ich wöchentlich „Abenteuer Unterwasser“ im Fernsehen, damals noch in Schwarzweiß, und wünschte mir nichts sehnlicher als abzutauchen in solch eine aufregende Welt mit seltsamen und gefährlichen Wassertieren. Natürlich musste ich jetzt Bücher von Jules Verne lesen über die aufregenden Abenteuer mit der „Nautilus“.
Ich war 10 Jahre alt und es war eine unglaubliche Zeit für einen kleinen Jungen.
Im Mai 1966 entdeckten Fischer bei Duisburg einen weißen Beluga-Wal, der den Rhein aufwärts geschwommen war und in den folgenden Wochen als „Moby Dick“ großes Aufsehen erregte! Kurz davor hatte ich erst den Schmöker „Moby Dick“ verschlungen und war völlig von der Rolle!
Und im August 1966 habe ich zum ersten Mal das faszinierende Bild von der Erde gesehen, „unserem blauen Planet“, wie sie über dem Mond aufzugehen schien. In diesem Moment habe ich kapiert, dass „unser“ blauer Planet tatsächlich ein riesiges Meer mit ein paar, mehr oder weniger großen, Inseln ist und Wassertiere die wahren Herrscher der Welt sind!
Mei, hatten wir Sorgen damals!
Seitdem zog es mich unwiderstehlich zu Gewässern, kleinen Tümpeln und unergründlichen Vulkanseen, den Maaren der Eifel, meiner Heimat damals bis zur Pubertät. Ich fing Kaulquappen und beobachtete fasziniert alle Phasen der Verwandlung bis zum Frosch. Ich trug eine Brille und hatte ein ernstes Gesicht, ich war Forscher! Meine Mutter nannte mich „den kleinen Professor“.
In den Sommerferien 1966 sind meine Eltern mit mir in den Urlaub in die Toskana auf einen Campingplatz am Meer gefahren. War ja klar, „Bella Italia“ war total „in“ bei den Teutonen in den 60er Jahren. Die, die „was Besseres waren“ wurden derweil seekrank auf Wüstenschiffen beim Kamelreiten um die Pyramiden, was mir ziemlich trocken und langweilig erschien.
Langeweile kam bei uns keine auf. Die Fahrt war eine Katastrophe, das Auto war so voll geladen, dass ich mich wie eine Ölsardine fühlte und in jeder Linkskurve Platzangst bekam. Die Stimmung war mies, denn wir wurden ständig von Urlaubern aus England überholt, die fröhlich herüber johlten, wenn sie uns als „Krauts“ erkannten. Deutschland hatte die Fußball-WM gegen England im Endspiel durch das umstrittene „Wembley-Tor“ unglücklich verloren. So deprimiert hatte ich meinen Vater noch nie erlebt! Was für eine Aufregung für einen kleinen Professor! 
Als wäre das nicht schon schlimm genug, fanden meine Eltern zu ihrem großen Bedauern nach der deprimierenden Anreise statt an einem Sandstrand nur noch an einer steinigen Felsenküste in Antignano bei Livorno in der Toskana einen freien Platz für ihr Zelt. Ihr Pech wurde mein größtes Glück! Das Wasser war kristallklar und die Sicht war frei auf allerlei Getier in allen Formen und Farben. Antignano – wenn man das viersilbige Wort teilt, bekommt man „Antig“ und „nano“. Na, wenn das kein Zeichen ist!
Am frühen Morgen hab ich mich aus dem Zelt geschlichen und im Morgengrauen die dreieckigen Flossen der kleinen Haie vom Ufer aus bestaunt, die sich mit Sonnenaufgang nicht mehr an den Strand wagten und deshalb für die anderen Urlauber unsichtbar blieben. Im morgendlichen Zwielicht saß ich auf einem Fels im Meer und beobachtete kleine Kraken, die unter mir durchs Wasser flitzten auf der Jagd nach Frühstück. Krabben leisteten mir Gesellschaft, wenn ich mich ganz ruhig verhielt, kamen sie ganz nah her und glotzten mich mit ihren Knopfaugen neugierig an. Herrlich! Ich verbrachte die kompletten Sommerferien am und im Wasser. Freiwillig kam ich da nicht mehr raus.
Ich sammelte auf dem Campingplatz weggeworfene Pfandflaschen, bauchige Weinflaschen in einer Basthülle (italienisch: Fiasco) und kaufte mir vom Erlös eine Taucherbrille und Flossen. Ein passionierter Taucher, ein Österreicher, nahm mich ein paar Mal mit seinem Schlauchboot mit raus aufs Meer. Er hatte mich beobachtet und meine Leidenschaft wahrgenommen. Ich musste zwar im Boot bleiben während er abtauchte, war aber begeistert von der Aktion. Er war mein Held!
Meine Eltern durften das allerdings nicht erfahren, sonst wäre der Urlaub zum Fiasco geworden!
Ich beobachtete auch, wie italienische Großfamilien Seeigel sammelten und an Ort und Stelle verspeisten. Die Überreste wurden vom kleinen Professor untersucht. Ich ließ kleine Einsiedlerkrebse auf mir herumlaufen, das war viel interessanter als eine Spielekonsole oder was man heute sonst so alles braucht um ein normales Kind zu sein.
Der absolute Hit war, vor dem Nachbarzelt einen ausgewachsenen, lebenden Hummer bestaunen zu können. Ich war fasziniert, bis der Besitzer das mächtige Tier bei den Fühlern packte und ihn in einen riesigen Kochtopf steckte, voll mit kochendem Wasser. Der Hummer hat sich revanchiert, wild mit seiner Schwanzflosse geschlagen und den Koch und alle umstehenden Gaffer verbrüht. Widerstand war zwecklos, jetzt musste er erst recht sterben! Ich habe zugesehen, wie qualvoll das Tier gestorben ist und war empört! Ich wollte irgendwas tun, aber ich war ja noch so klein!
In diesem Moment war ich angefixt, das war „the magic moment!“ Ich wollte Tiere beschützen und pflegen, und zwar Wassertiere. Wirbellose Wassertiere!
Von nun an war ich selbst ein Wassertier. Aus Italien zurück trainierte ich und konnte schon bald das Schwimmerbecken in unserem Freibad rauf und runter tauchen ohne zu ersaufen, noch bevor ich schwimmen konnte.
Eines Tages erhörte mich meine schwerhörige Wunschfee und brachte mir zwar keinen Hummer, aber immerhin ein Mini-Aquarium und ein paar Wasserschildkröten. Ich war mit meinen Eltern auf der Kirmes im Nachbarort Mayen. Da gab es einen Stand, an dem die kleinen Tierchen, ohne weitere Infos, feilgeboten wurden. Sie sind alle ertrunken. Nicht die Standbetreiber, die Wasserschildkröten! Anders wäre es mir im Nachhinein lieber gewesen. Die Wasserschildkröten wollten nämlich gar nicht immer schwimmen und tauchen, wie die Wasserschildkröten im Fernsehen - wer hätte das gedacht?
So hatte ich mit 11 Jahren schon was gelernt: Tierpflege gehört nicht in Kinderhand und Wasserschildkröten nicht auf die Kirmes!
Dann kamen die 70er-Jahre und meine Passion veränderte sich radikal. In Ermangelung von Meerjungfrauen bekam ich täglich mehr Interesse an „Backfischen“ in Miniröcken, wie man in den 70ern in Deutschland Teenager bezeichnete.
Gleich danach wurde ich erwachsen und Feinschmecker, auch auf Krustentiere.
wunderschön, wenn sie durchs Wasser schweben, die langen Fühler fesch im "Fahrtwind" nach hinten gebogen

wie auf einem anderen Planet
50 Jahre später hatte mich die liebe Kerstin um Fotos gebeten und sie auch bekommen. Da war der Wassertier-Virus in mir wieder zum Leben erwacht. Das wusste ich da aber noch nicht, es war noch im Anfangsstadium.
Als ich nach einem Geburtstags-Geschenk für meine Frau Mulle suchte, gab Kerstin mir Mitte Dezember den Tipp, es gäbe aktuell bei einem großen Online Shop ein Tages-Angebot von einen 30 Liter Nano Cube, ein kleines Aquarium-Kit für Garnelen, zum Sonderpreis. Mir fiel ein, Mulle hatte mal in einem Tierfutter-Prospekt was über Nano-Aquaristik gelesen und Interesse bekundet. Also habe ich das Ding bestellt. Und schon einen Tag später kam ein riesiges Paket.
An ihrem Geburtstag, dem 20.12.11, packte Mulle ihr Geschenk aus. Sie warf einen langen, fragenden Blick darauf. Sie hatte offensichtlich keine Vorstellung, was das sein könnte, hat sich aber trotzdem riesig gefreut! So ein Geburtstag war aufregend und meine Geschenke waren immer außergewöhnlich.
was mag das sein?
Bevor Ihr weiterlest, zwei Dinge vorweg, damit es nicht zu Fehlinterpretationen kommt:
Wenn ich mal einen Hersteller oder ein Produkt besonders hervorhebe dann nur, weil ich von der hohen Qualität oder der Kundenfreundlichkeit überzeugt bin! Ich stehe auf keiner Gehaltsliste, habe keinen Sponsor, bin mit keinem Hersteller oder Händler verwandt oder verstrickt, auch wenn der Eindruck hin und wieder entstehen könnte. Es gibt tatsächlich Firmen, denen die Zufriedenheit ihrer Kunden immer noch mehr bedeutet, als der schnöde Mammon. Wenn ich das erlebe, dann mache ich kein Geheimnis draus!
Alle Fotos sind übrigens von mir selbst aufgenommen, unter erschwerten Bedingungen, wie schlechte Beleuchtung und aus freier Hand. Sie genügen deshalb vielleicht keinen Fotostudio-Ansprüchen, sind dafür aber so authentisch wie die Tiere, die darauf abgebildet werden und es wurden niemals Tiere dabei gequält, hellem Scheinwerferlicht ausgesetzt oder angeblitzt. 
Zu Ausbildungszwecken dürfen meine Fotos frei verwendet werden, ansonsten bitte ich um Anfragen, alle Rechte liegen bei mir! 
Und jetzt viel Spaß, krempelt die Ärmel und Hosenbeine hoch, es könnte ein bisschen feucht werden!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen