Freitag, 24. Februar 2012

mir wird ganz mulmig vor lauter Mulm

Unsere kleine „ökologische Nische“ lief jetzt gut zwei Wochen. Wir konnten uns nicht satt sehen an den beruhigenden Grüntönen, den bunten Schnecken und „seiner Merkwürden“, Sir Oblong.
Aus Sicht eines passionierten Aquarianers war das Becken kahl und viel zu dürftig bepflanzt, aber wir waren begeistert von unserer Unterwasser-Steppe. Nur der eklige Schlonz (Mulm) aus Abfall- und Abbauprodukten, Fäkalien und sonstigen Überbleibseln, der sich am Boden sammelte störte zunehmend den kritischen Blick der Hausfrau. Deshalb besorgten wir uns die obligatorische „Mulm-Glocke“ mit der man den Schlonz angeblich „vorsichtig“ durch Wassersog absaugen kann.  
Mein Bauch sagte „lass den Scheiß!“, aber nachdem wir ein bisschen in Fach-Foren im Internet gestöbert hatten und scheinbar jeder dort eine Mulm-Glocke besaß, unterwarfen wir uns dem Gruppenzwang.
Hätte ich nur auf meinen Bauch gehört!
Ich platzierte die Glocke im Becken und fing an zu pumpen. „Pumpen“ bedeutete konkret, die Glocke im Becken in schneller Frequenz rauf und runter zu bewegen. Hab ich gemacht, aber der Wasserspiegel in der Mulm-Glocke wollte nicht steigen.
Statt dem Wasserspiegel in der Glocke und mit ihm der Mulm stieg der Mulm um die Mulm-Glocke herum.
Mulle feuerte mich an: „Stärker pumpen!“ Jetzt pumpte ich, als gäbe es kein morgen mehr! Das einzige was stieg, war mein Blutdruck und mein Adrenalinspiegel. Ich pumpte und pumpte und schließlich lief tatsächlich ein armseliges Rinnsal aus dem Schlauchende in den bereitgestellten Eimer. Dafür sah der Cube innen wieder aus wie ein Moorbad. Und um das Becken herum hatte ich alles nass gespritzt. Ein Schrei gellte durchs Haus und die Mulm-Glocke landete im Mulmeimer, äh, Mülleimer.
Ich sagte zu Mulle, ich wäre einfach zu stark für so filigrane Arbeiten. Wahrscheinlich waren wir wohl einfach nur zu blöd, mein Nano-Gehirn und ich.
Einen Tag später hatte sich der Mulm wieder gesetzt und dabei das komplette Inventar und die Pflanzen mit feinen Partikeln überzogen. Es sah aus wie nach einem Nano-Vulkan-Ausbruch.
Ich hab mir geschworen nie mehr zu mulmen!
Man sollte niemals nie sagen!
Was ist eigentlich Mulm? Dieses Mal habe ich sofort eine gute Quelle im Internet gefunden. Mulm besteht unter anderem aus Mikroorganismen und Spurenelementen, im bepflanzten Aquarium auch aus „Detritus“, so bezeichnet man abgestorbene Pflanzenteile. Detritus ist Nahrungsmittel für Aquarientiere, vor allem für den Nachwuchs. Auch die wichtigen nitrifizierenden Bakterien leben darin. Eine gepflegte Mulm-Schicht sollte man seinen Tierchen demnach auf jeden Fall auftafeln.
Oh Mann, und wir wollten alles raussaugen! Von Zeit zu Zeit kann man ja einen Teil herausnehmen, bevor er vollends verfault.
Ab sofort waren wir bekennende Schlammspringer

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen