Montag, 27. Februar 2012

Morbus nanus

Wir hatten uns vor einem Weilchen einen neuen Röhrenturm gegönnt, Handarbeit, ein Unikat. Kein Vergleich zu der stylisch perfekten schwarzen Crusta-Röhre. Der neue Turm war aber nicht schöner, keiner war schöner, der neue war einfach „anders“. Und „anders“ passte besser zu dem aktuellen Rest von Inventar. Und zu mir. Das Inventar bestand aus gefundenen Steinen und Muscheln, etwas verwittert und vom Zahn der Zeit angegriffen. Wie ich.
Eigentlich hätten wir ja zufrieden sein können. Unser Becken strahlte, Mulle strahlte, die Katzen strahlten. Die Mooskugel dümpelte vor sich hin, Sir Oblong stiefelte hinter LadyDi her. Eigentlich hätte alles so schön sein können. Eigentlich.
bei un sitzen sie in der ersten Reihe
Wenn ich nicht diese merkwürdige Krankheit bekommen hätte, „Morbus nanus“. Leicht zu diagnostizieren, schwer zu therapieren. Und Morbus nanus war ansteckend. Aber das wusste ich da noch nicht.
Trotz der ansteckenden Krankheit sind wir Samstagabend zu unserem XXL-Zoogeschäft zur „Wiedereröffnung nach Umbau“ gefahren. Es würde 20% Rabatt „auf alles“ geben, das hatte sich leider herumgesprochen. Wir haben zwar den letzten Parkplatz bekommen, aber keinen Einkaufswagen mehr. Im Markt sah man vor lauter Menschen und Einkaufswagen keine Tiere mehr. Als wir uns endlich zur Aquaristik-Ecke durchgekämpft hatten fiel mein Blick sofort auf einen noch original verpackten Dennerle 60 Liter Cube „Complete“. Mir wurde warm ums Herz. Gott, war der schön! Wir schauten uns an. Mulle hatte ganz große Pupillen... Mist, Mulle war infiziert!
Wieso hatte den herrlichen Cube noch niemand gekauft? Wie konnte man da widerstehen? Ich dachte kurz ans Budget und bekam kalte Füße. Doch sogleich fielen mir Affirmationen ein, heilende Sätze wie: „Ein größeres Becken ist leichter zu pflegen.“
Ich liebe solche Sätze. Und dann die 20%! Im weitesten Sinn würden wir kein Geld  ausgeben sondern sogar sparen. Ich war eindeutig im Kaufrausch! Nüchtern würde ich so einen Schmarren nicht mal denken!
Langsam näherten wir uns dem Objekt der Begierde. Dann der Schock! Oben klemmte ein kleiner Zettel auf der Umverpackung: „Reserviert für Herrn (hab es vergessen, ehrlich!) bis 16 Uhr.“ Ich schaute auf die Uhr, es war eine halbe Stunde vor Ladenschluss. Traurig beugte ich mich hinunter zu „meinem“ 60 Liter Sandkasten. Ich streichelte ihn sanft. Dann noch einmal, ein drittletztes Mal, ein vorletztes Mal, wieder und wieder verabschiedete ich mich von dem schönen Traum.
Nanu? Beim Streicheln musste sich der Zettel irgendwie gelockert haben und bei der nächsten Liebkosung war er in die unendlichen Tiefen des Regals geflattert. Ein Zeichen! Die Botschaft war ganz klar: Wer so ein tolles Teil nicht pünktlich abholt, der hat es nicht verdient!
Ein Blick zu Mulle, sie nickte schelmisch lächelnd. Mit dem größten Recht packten wir es und schleppten es gemeinsam mit „Poker Face“ zur Kasse. Einkaufswagen gab es mittlerweile, aber ich hätte den Cube bis nach Hause getragen wenn es hätte sein müssen. Als er verstaut war, klatschen wir uns die Hände ab. Tschakka!
Wer hätte das gedacht? War ich, solider Familienvater, mal „ein bisschen Ratte“ fand Mulle sogleich Gefallen daran. Schon wieder was gelernt. Nano Aquaristik bildet!
Daheim angekommen fielen wir erschöpft in die Sessel. Sir Oblong rannte gerade wieder LadyDi hinterher. Nicht zu glauben, der Kerl war scharf wie Nachbars Lumpi. Die brauchten definitiv Platz für mehr Auslauf und mehr Verstecke. Was waren wir doch tierlieb! 
Casanova patzcuarensis var. Orange

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