Sonntag, 26. Februar 2012

Notzucht im Unterwasser-Paradies

Man soll ja nicht von sich auf andere schließen, aber ich bekam plötzlich eine Ahnung, warum Oblong so unruhig im Cube auf und ab tigerte. So wie er waren wir in der Pubertät ja auch unruhig um die Häuser gezogen, meine Freunde und ich. Dem Prachtkerl fehlt eine Gefährtin! Meine liebe Frau Mulle nickte verständnisvoll über meine erotische Hypothese und begleitete mich zum CPO-Heirats-Markt in das nächste Zoogeschäft. Wir haben Oblong dort eine hübsche Lady rausgesucht. Damit er sie aber nicht permanent „liebkost“, haben wir noch einen kleinen Ritter dazu genommen.
So konnte er zwischen den Liebes-Spielen ein bisschen Dampf ablassen.
Mulle fand das sehr liebevoll von mir. Ich auch! Voller Erwartung und mit zwei vollen Transportbeuteln sind wir heimgefahren. Schnell den Deckel auf, die Tüten reingehängt und mit einer Wäsche-Klammer am Beckenrand fixiert damit die sich nicht selbständig machen.
Solange die neuen Tierchen sich an die Wasser-Temperatur gewöhnten haben wir noch schnell einen kleinen Wasserwechsel gemacht damit Oblong fit ist für die erste Liebesnacht. Schnapsgläschen-weise habe ich fraktioniert ein bisschen Aquarienwasser in die Tüten fließen lassen zur Akklimatisierung der Migranten ans ungewohnte Milieu. Nur nichts überstürzen!
Schließlich war es soweit. Die neuen WG-Mitglieder durften einziehen. Wie aufregend! Was hatten wir eigentlich früher immer so getrieben im unwirtlichen Februar? Keine Ahnung, aber das war Abenteuer pur!
Vorsichtig habe ich die Neuen mit dem Kescher geschnappt und ins Becken gesetzt. Diesmal konnte ich mich selbst gerade noch davon abhalten die Beute einfach in den Cube zu schütten. Man muss sich von sich selbst auch nicht immer alles gefallen lassen!
Endlich war der Groschen gefallen und nicht das Tier.
Die Lady schwebte wie ein U-Boot gen Beckengrund und landete auf dem Röhrenturm. Wir nannten die hübsche Gefährtin für Oblong „LadyDi“. Schließlich war er ein „Sir“ und sollte standesgemäß vermählt werden. LadyDi orientierte sich kurz und begann dann einen kleinen Rundgang immer an der Wand lang.
Ihr Bodyguard „Barbarossa“ landete etwas abseits am Beckenrand und blieb wie angewurzelt stehen. Ihm schwante wohl was.
Kaum waren die beiden im Becken gelandet kam Oblong im Laufschritt aus der Deckung, packte LadyDi sofort und ungefragt bei den Scheren, fixierte sie, warf sie mit Schmackes auf den Rücken und sich selbst hinterher.
Also von mir hat er das nicht!
Die ungestüme Kontaktaufnahme dauerte eine Stunde. Schon nach 5 Minuten waren wir überzeugt, dass er sie ermordet hat. Nicht nur, dass einer ihrer Scheren-Arme bei dem Techtelmechtel verloren ging, sie machte keinen Mucks mehr, während er hin und wieder die Umklammerung noch enger und fester um sie zu schließen schien.
Arme LadyDi, Mulle war empört! Und was machte Barbarossa, der LadyDi beistehen und Oblong mit Kampfsport-Training erschöpfen sollte? Der hat das Geschehen aus sicherer Entfernung beobachtet, sich hurtig in einer Röhre verkrochen und ward nicht mehr gesehen.
Schließlich ließ Sir Oblong von LadyDi ab. Sie lag völlig reglos da, wie tot, ein unförmiger oranger Klumpen. Er schaute sich die Bescherung kurz an, wendete und stolzierte davon, ließ sein Opfer einfach liegen.
Traurig starrten wir den geschändeten Kadaver an und bejammerten kollektiv den Verlust von LadyDi (und 10 €!). Doch was war das? Plötzlich kam wieder Leben in das orange Häufchen Elend. Es schüttelte sich ein paar Mal, entfaltete sich und wurde wieder zu LadyDi. Fast wie vorher, ihr fehlte nur ein Scheren-Arm.
Wir hatten schon befürchtet, dass die Paarung unter CPOs heftig ausfallen könnte, aber das war keine Paarung, das war eine Vergewaltigung! Pfui Oblong!
Zumindest hatte ich mit meiner Vermutung richtig gelegen, Oblong hatte es nötig. Er war „danach“ mehrere Tage so was von entspannt und ausgeglichen, er hat sogar die Schnecken verschont. Barbarossa hab ich in der Röhre mit einer langen Pinzette gefüttert. Der hatte erst mal den Kanal voll von Ritterturnieren.
Eines Tages kam der Kleine schließlich doch heraus und stellte sich in seinem jugendlichen Leichtsinn dem Platz-Hirsch in den Weg. Der Kampf dauerte keine 3 Sekunden! Oblong hat ihn gepackt, blitzschnell beide Scheren-Arme ausgerissen, ihn einfach stehen lassen und sich emotionsfrei auf die Suche nach LadyDi begeben.
Barbarossa hat ziemlich dämlich ausgesehen, wie er da stand ohne Scheren. Eher wie eine fette Garnele, als wie ein stattlicher Krebs. 
Armer Barbarossa. Sein Namensvetter war auch im Wasser gestorben, hoffentlich war das kein Omen! Wir würden sehen. Unser Plan war jedenfalls nicht ganz aufgegangen. Zwar hatte Oblong jetzt regelmäßig Sex, aber Barbarossa dachte gar nicht daran ihn müde zu machen.
Egal wie viele zusätzliche Verstecke ich für die arme Krebsfrau ins Becken platzierte, Oblong hat sie immer gefunden und „rumgekriegt“, als hätte er nur noch eine Windung im Hirn. Vielleicht war das Becken zu überschaubar? In mir reifte ein Gedanke, aber ich sprach ihn noch nicht aus.
Demnächst stand „Wiedereröffnung nach Umbau“ von „unserem“ XXL Zoogeschäft vor der Tür. Ich war zufällig am Vorabend dort um irgendeinen Nano-Schnickschnack zu kaufen und stellte wohlwollend fest, dass sie die Aquarien-Schmuddel-Ecke aufgeräumt hatten.
Am Samstag-Abend, kurz vor Ladenschluss, schlug ich Mulle vor mal dort hinzuschauen, aber „garantiert“ nichts zu kaufen. Wie das ausging, davon berichte ich im nächsten Kapitel.

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