Freitag, 24. Juli 2015

Planarien erkennen und erfolgreich behandeln mit Panacur® (Fenbendazol)

Planarien sind faszinierende Tiere. Sie haben eine Regenerationsfähigkeit, um die man sie nur beneiden kann. Sie können alle Körperteile und Organe neu bilden, wenn sie diese verlieren oder sie beschädigt werden, da sie offensichtlich in jeder Ecke Stammzellen haben, die nur darauf warten, sich an die Arbeit zu machen. Kann man eine Planarie schließlich doch zerstören, so wird es bei den Eiern fast unmöglich. Deshalb sind diese Räuber in der Aquaristik zu einer Plage geworden, vor allem in den Wirbellosen-Becken, wo es keine Fressfeinde gibt. Planarien scheinen nicht oder eklig zu schmecken, da sie von vielen potentiellen Fressfeinden verschmäht werden, wie mir immer wieder berichtet wird. Großarmgarnelen wie Macrobrachium peguense ("Inlesee Burma") haben den Ruf, Planarienfresser zu sein. Diese Info kann ich nicht verifizieren, scheint mir aber stimmig, da ich in meinem Macro-Becken keinerlei Begleitfauna entdecken kann, im Gegenteil, nicht mal das kleinste Würmchen lässt sich mehr blicken, weder bei Tag noch bei Nacht. 
Aushungern kann man Planarien offensichtlich nicht. Deshalb ist die Empfehlung "weniger füttern" in diesem Fall sinnlos. Ich habe mir Planarien zu Beobachtungszwecken bei einem befreundeten Aquarianer abgeholt und in einer Tupperschale mit einem Finger hoch Wasser vergessen. Nach etwa einem Monat hab ich sie entdeckt, sie waren ein bisschen geschrumpft, haben sich aber munter fortbewegt. Offensichtlich benutzen sie ihren eigenen Körper als eiserne Reserve. 
Ob sie tatsächlich so erfolgreiche aktive Jäger sind, wie oft berichtet wird, da bin ich mir nicht so sicher. Alle Planarien, die ich mir zur Beobachtung habe schicken lassen, sind gestorben. Ich habe es nicht geschafft, sie mit lebenden Garnelen jeder Größe zu füttern. Es gab allerdings nur Lebendfutter in Form von Garnelen. Dass sie Schnecken gefährlich werden können, glaub ich gleich. Posthornschnecken bewegen sich in etwa gleich schnell über die Aquarienscheibe wie eine Planarie. Ich gebe deshalb keine Entwarnung bei Garnelen, sehe aber auch keinen Grund für Panikattacken. Für mich sind Planarien in erster Linie Aasfresser, also Gesundheits-Polizei. Warum sollen sie Energie für die Jagd aufwenden, wenn sie genug anderes Futter finden?
Bevor man sich an die Bekämpfung macht, gilt es, die Planarie als solche sicher zu bestimmen. "Facebook-Experten" machen aus nahezu jedem Scheibenwurm eine Planarie. Tatsächlich ist eine Planarie zwar ein Wurm (ein Plattwurm bzw. Strudelwurm), aber nicht jeder Wurm, nicht mal jeder Plattwurm, ist auch eine Planarie. Sehr häufig werden sie mit Rhabdocoela verwechselt. 
Planarie © Bryan Erth
Rhadocoela © Roland Emmenlauer
Man kann Planarien recht gut von harmloseren Würmern an dem dreiästeligen Darm unterscheiden. Zwar haben Planarien einen dreieckigen Kopf. Aber auch hier gilt, nicht jede Planarie kann man am dreieckigen Kopf erkennen.
Merke: Planarien haben den Schlund bauchseitig in Körpermitte und einen dreiästeligen Darm sowie zwei engsitzende "Augen" am vorderen Ende. Erkennt man darüber hinaus noch einen dreieckigen Kopf ist die Diagnose klar.

Planarien bzw. Planarieneier kommen auf vielen Wegen ins Aquarium. Am einfachsten über Schnecken, die sie gern als Transportmittel benutzen (unter dem Deckel sitzend), ansonsten über alles, was aus fremden Becken ins eigene gelangt. Angeblich können die Eier sogar Trockenphasen überleben und finden den Weg über Inventar wie Wurzeln ins Becken. Sogar mit Frostfutter können Planarien ins Aquarium einmarschieren. Leider kommt es deshalb nicht selten zu Fehlinterpretationen und werden Händler und Zoofachgeschäfte zu Unrecht vorgeführt. Planarien vermehren sich aber auch durch Teilung, weshalb sie nicht zwingend auf Ei-Ablage angewiesen sind.
Die Behandlung dieser Mietnomaden ist, Gott sei Dank, keine große Sache. Allerdings überleben Napfschnecken und Rennschnecken diese Behandlung nicht. Angeblich vertragen TDS es nicht gut, kann ich absolut nicht bestätigen. Bei korrekter Dosierung haben meine immer alle überlebt. 

Vor der Behandlung eine Anmerkung von mir: Meine Infos beruhen ausschließlich auf Beobachtung und eigener Erfahrung und Gesprächen mit anderen Aquarianern. Ich habe das sehr häufig selbst angewendet, gebe aber keine Garantie und leiste auch keinen Schadenersatz! Wer sich jetzt immer noch traut, auf gehts!
Behandlung: Zuerst so viele Planarien wie möglich fangen (Planarienfalle). Diese funktioniert gut, wie man hier sieht

© Roland Emmenlauer
Als Lockmittel empfehle ich rohes Hühnerfleisch oder ein frisch gestorbenes Wassertier. Im o.g. Beispiel war das eine tote Amano-Garnele. Bestückte Falle nicht zu lange im Becken lassen, das Fleisch gammelt sehr schnell! Das ist wichtig, weil tote Planarien das Becken stark belasten können. Außerdem meiden Planarien Fallen in denen etwas in Verwesund übergegangen ist. Da hilft auch keine Spülmaschine. 

Diese Falle finde ich sehr empfehlenswert. Hier ein Testcrustahunter Planarienfalle  
Zu erwerben in vielen Shops, vielleicht auch im Shop Ihres Vertrauens. Falls dieses Modell dort noch nicht verfügbar sein sollte, verlinke ich einen Shop, wo ich selbst regelmäßig einkaufe und sehr zufrieden binPlanarien-Falle-V2

Wie man sieht, kann man auch mit Fischfutter-Tabletten Planarien sehr gut anlocken. 
Planarien © Bernd Kaufmann
Planarien sind dämmerungs- und nachtaktiv. Für mich gehört zu jedem Aquarium eine gute Lupe, mindestens vierfach, sowie eine gute Taschenlampe. Mit einer Briefmarken-Leuchtlupe kann man sogar feinste Details der Anatomie erkennen. Empfehlung!
Weiter gehts: Beim Tierarzt Panacur® abholen, möglichst die 10% Suspension. Der Wirkstoff heißt "Fenbendazol" und ist ein sicheres Breitbandanthelminthikum (Mittel gegen zahlreiche Wurmarten). Damit werden auch Hunde und Katzen behandelt. Panacur® wirkt übrigens auch wunderbar gegen Saug- und Kiemenwürmer sowie Hydren, die bei der Gelegenheit gleich mitbehandelt werden.
Wenn der Tierarzt zuckt, einfach eine Planarie mitnehmen und zeigen. Evtl. etwas aus dem Internet ausdrucken und vorlegen, was die Behandlung von Aquarien nachvollziehbar macht.
Wichtig: Korrekte Dosierung. Das ist einfachst, denn
Panacur® ist ja ein echtes Medikament, millilitergenau dosierbar. Von Pülverchen mit Löffelchen zu dosieren rate ich ab.
Man benötigt:

0,65 ml von einer 10% Lösung für 100 Liter Aquarienwasser.
Die Menge ausrechnen und von dem Tierarzt (oder Tierärztin) in einer Spritze aufziehen lassen. Daheim verteilt man die Suspension gleichmäßig im Wasser, z.B. in den Fiterstrom geben.
Rennschnecken, Geweihschnecken, Tylos etc. vorher rausnehmen und extra setzen und beobachten. Mindestens sechs Wochen. Ggf mit Knoblauch* behandeln.
Nach sieben Tagen einen richtig großen Wasserwechsel machen, mindestens 50%, besser mehr. Am Besten mehrere Wawe hintereinander. Ggf Boden mulmen, tote Planarien absaugen.
Nach zwei Wochen wird die Kur wiederholt.
Panacur® wirkt angeblich nicht ovizid, also nicht gegen die resilienten Eier der Planarien (sagt meine Tierärztin). Nach zwei Wochen schlüpfen Planarien und werden dann auch getötet.
Wenn man nach ein paar Tagen noch Planarien sieht, keine Aufregung! Das Mittel wirkt so, dass die Planarien innerlich verhungern. Kann also ein bisschen dauern.
Zur Berechnung der korrekten Dosis nicht einfach das Becken-Volumen laut Hersteller nehmen, sondern die konkrete Netto-Wassermenge. Beispiel: Ein 60 l Cube ist nicht wirklich mit 60 l gefüllt. Am Besten mal beim Wasserwechsel messen (Eimer). Dann kann man es leichter ausrechnen.

Empfindliche Schnecken können auch noch Monate später nicht mehr ins Becken gesetzt werden, da Panacur den Bodengrund verseucht und nur langsamst reduziert werden kann. Deshalb empfiehlt sich ggf eine Filterung über Aktivkohle und gründliches Absaugen des Bodengrunds. Sobald das Becken wieder stabil läuft, ggf die Filtermedien tauschen, da auch diese durch Panacur belastet sind.
Wer ganz sicher gehen möchte, setzt darüber hinaus empfindliche Schnecken erst frühestens nach sechs Monaten wieder ins Becken.

*Knoblauch: Siehe
"Online Aquarium Magazin", Ausgabe Juli 2006, Seite 11. www.oammagazin.de


Zur Beachtung: Text und Fotos dürfen zu Ausbildungszwecken verwendet werden. Ansonsten bitte ich um Rücksprache: flusskrebse@gmx.de

Quelle Panacur-Behandlung: A. Behrend, "Schnecken im Aquarium", Dähne Verlag, Auflage: 1. Aufl. (30. Juni 2016)

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